JOCHEN FASS

DEICHSCHÄFEREI

Jochen Fass
Raffineriestraße 10
26388 Wilhelmshaven


seit 2011


Hauptprodukt/Dienstleistung
Deichschäferei

„Der Job ist
körperlich anstrengend,
aber vielfältig“

Cracker, komm‘ her, wir wollen los!“, ruft Jochen Fass. Doch der Hütehund hört nicht. Immer wieder läuft er bellend den Deich hoch und runter, hinter sich die Nordsee, vor sich mehrere hundert Schafe, die sich mit Trippelschritten sammeln. Wenn die Herde aus 2.000 Muttertieren besteht, kann es nicht schaden, einen motivierten Mitarbeiter wie Cracker zu haben. Jochen Fass weiß das – auch wenn es ihn manchmal nervt, dass Cracker kein Ende findet.

Der Schäfer steht auf dem Deich zwischen Wilhelmshaven und Hooksiel, blickt Richtung Nordsee, zu den Kränen des Jade-Weser-Ports. Für Besucher ein atemberaubendes Panorama, für den 40-Jährigen täglicher Arbeitsplatz: „Ich sehe das gar nicht mehr. Wenn ich nach Hause fahre, kann ich manchmal nicht sagen, ob Ebbe oder Flut ist.“

Rund 23 Kilometer Deich gehören zu seinem Betrieb, den er vor zehn Jahren von seinem Vater übernommen hat. Die Schafe übernehmen eine wichtige Aufgabe für den Küstenschutz: Sie trampeln den Boden mit ihren Hufen fest und sind als Rasenmäher im Einsatz, indem sie das Gras kurzhalten. Damit helfen sie dabei, Niedersachsen vor Hochwasser und Sturmfluten zu schützen. Im März geht es ab auf den Deich für die Texel und Suffolk. Zusammen mit ihren Lämmern bleiben die Muttertiere bis zum Herbst auf dem Deich und bieten den Touristen das idyllische Bild, das viele mit der Küste verbinden. Schäfer Fass hat das ganze Jahr über alle Hände voll zu tun: Tägliche Kontrollgänge, Klauenpflege, Betreuung kranker oder verletzter Tiere. Die Tätigkeit ist für ihn ein Hauptgewinn: „Der Job ist körperlich anstrengend, aber vielfältig“.

Den ganzen Tag im Büro sitzen? Unvorstellbar. Da macht es auch nichts, wenn er mitten in der Nacht raus muss, weil mal wieder ein Autofahrer die Kurve nicht bekommen hat und im Zaun gelandet ist.

Hat der Beruf des Schäfers Zukunft? „Man kann von der Schafhaltung leben“, sagt Fass. Lammfleisch ist gefragt, Jochen Fass beliefert Schlachtereien in der Region. Sorgen bereitet ihm der Wolf. An der Küste sei es nicht möglich, die Herde mit Zäunen zu schützen – zu groß sei der Aufwand, zu teuer das Personal, das zusätzlich erforderlich sei. Eigentlich ein Fall für den Hütehund Cracker. Aber selbst der motivierteste Mitarbeiter muss ja auch mal schlafen.

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